Historischer Verein Lauf a.d. Pegnitz e.V.
- Freunde des Stadtarchivs

Postkarte aus dem "Ostarbeiterlager Lauf"

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Historischer Verein Lauf übergibt Postkarte aus dem "Ostarbeiter-Lager Lauf" an das Stadtarchiv Lauf

Historischer Verein Lauf übergibt Postkarte aus dem „Ostarbeiter-Lager Lauf“ an das Stadtarchiv LaufLauf a. d. Pegnitz – Der Historische Verein Lauf a. d. Pegnitz e. V. "Freunde des Stadtarchivs" machte im Online-Handel einen phänomenalen Fund und konnte eine historisch wertvolle Postkarte erwerben und an das Stadtarchiv Lauf übergeben. Am 20. Juli 1943 schrieb die junge Zwangsarbeiterin Khavria Fewrona diese Zeilen aus dem "Ostarbeiter-Lager Lauf“ an ihre Mutter und ihre Schwester Dasja im Dorf Pustowarka, Kreis Skwira, bei Kiew. Ein persönliches Zeugnis der Zwangsarbeit.

Ein persönliches Zeugnis der Zwangsarbeit

In ihrer Postkarte beschreibt Khavria Fewrona ihren klar geregelten Tagesablauf vom Aufstehen um 5 Uhr morgens über die Arbeit in der Fabrik und die Mahlzeiten bis zum offiziellen Zubettgehen um 9 Uhr abends. Sie hat Decken, eine Matratze, ein Handtuch und eine Schüssel bekommen und drückt ihre Hoffnung auf Kleiderzuteilungen und ein gutes Paar Schuhe aus. Das Einzige, was sie hier glücklich mache, sei es, mit anderen Mädchen zusammen zu sein und so jemanden zum Reden und zum Weinen zu haben. Ihre Liebsten bittet sie, sich keine Sorgen zu machen und nicht zu weinen, denn "solange wir am Leben sind" sollten alle an der Hoffnung auf ein Wiedersehen festhalten. 

"Diese Postkarte ist ein wichtiges und durch die persönlichen Inhalte einzigartiges Dokument", erklärt Susanne Koch-Schächtele, 1. Vorsitzende des Historischen Vereins. "Während das Stadtarchiv als Pflichtaufgabe vor allem Akten der Stadtverwaltung verwahrt, bieten private Dokumente wie diese Karte einen berührenden Einblick in die persönlichen Sorgen und Hoffnungen eines Menschen, der in unserer Stadt unfreiwillig gelebt und gearbeitet hat." 

"Gerade jetzt, wenn die Zeitzeugen schwinden, sind solche persönlichen Schilderungen unverzichtbar, um die geschichtlichen Fakten mit Leben zu füllen und menschlich nachfühlbar und erfahrbar zu machen. Für uns war es ein seltener Glücksfall, diese Postkarte im Handel aufzufinden und für das Archiv erwerben zu können", ergänzt die 2. Vorsitzende Elke Simon.

„Seit unserer ersten Ausstellung zu diesem Kapitel der Stadtgeschichte haben wir einige Zeugnisse von Zwangsarbeiter/-innen, Briefe, Fotos und persönliche Schreiben erhalten. Damit waren wir sogar bei einem Projekt am Lehrstuhl zur Geschichte Osteuropas der Universität Erlangen vertreten. Die Dokumente wurden von uns in den Arolsen Archives (International Center on Nazi Persecution) – einer Datenbank für überlebende Opfer des Nationalsozialismus - hinterlegt, um Überlebende und Nachfahren bei biographischen Recherchen zu unterstützen. Hier sollte auch die Postkarte von Khavria Fewrona eingestellt werden und so potentiellen Verwandten oder Nachfahren zugänglich gemacht werden.“ führt Frau Dr. Ina Schönwald, Leiterin des Stadtarchivs, die Bedeutung solch persönlicher Dokumente für die Archivbestände und damit für eine gelungene Geschichtsforschung und umfassende Wiedergabe der historischen Ereignisse aus.

Engagement für transparente Geschichtsaufarbeitung

Die Übergabe der Postkarte aus dem Zwangsarbeiterlager Lauf steht im Zusammenhang mit dem Engagement des Historischen Vereins für die umfassende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Laufs.

Der Verein, der sich in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv um die Erforschung der Laufer Geschichte bemüht und Menschen für diese begeistern möchte, hat unter anderem den satzungsgemäßen Zweck, das Archiv durch Zustiftungen zu bereichern.

Das Stadtarchiv hat in den vergangenen Jahren die NS-Geschichte der Stadt intensiv erforscht. Finanziert durch die Summer Kulturstiftung und die Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg entstand das Projekt "Brennpunkte des Nationalsozialismus", das zunächst Unterrichtsmaterialien für Schulen bereitstellte. Der Historische Verein setzte sich unter anderem durch kontinuierliche Gespräche mit dem Kulturamt und dem Archiv der Stadt nachdrücklich dafür ein, dass die Forschungsergebnisse - entsprechend aufbereitet - der gesamten Bevölkerung frei zugänglich gemacht werden.

Vor wenigen Wochen wurden die ersten abgeschlossenen Projektphasen auf der Website des Stadtarchivs nun veröffentlicht: Unter https://www.stadtarchiv-lauf.de/brennpunkte-des-nationalsozialismus-projekte/ können sich Interessierte über die dunklen Kapitel der Laufer Geschichte informieren.

Vom kontroversen Diskurs zu konstruktiven Lösungen

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Thema "Zwangsarbeit" in Lauf. Hier gab es in der jüngeren Vergangenheit kontroverse Diskussionen zum zeitgemäßen Umgang mit dem Grabdenkmal der in Lauf verstorbenen Zwangsarbeiter/-innen auf dem städtischen Friedhof.

Der Historische Verein initiierte im Herbst 2024 einen Runden Tisch, der alle beteiligten Akteure zusammenbrachte und eine gemeinsame Empfehlung an die Stadt Lauf erarbeitete. Betonen möchte die Vorstandschaft des Historischen Vereines dabei klar, dass diese Empfehlungen von der Stadtverwaltung offen aufgenommen und bereits viele Punkte umgesetzt wurden:

  • Verortung einer Stele neben dem Grabdenkmal mit dem aktuellen Wissensstand zur Zwangsarbeit in unserer Stadt
  • zeitgemäße Kommentierung des NS-Begriffs "Ostarbeiter"
  • Nennung der Namen und Lebensdaten aller in Lauf bestatteten Zwangsarbeiter/-innen und ihrer hier geborenen und verstorbenen Kinder
  • Einbeziehung des Grabdenkmals der Zwangsarbeiter/-innen in die Gedenkzeremonien und die Erinnerungskultur der Stadt
  • offener Umgang mit dem aktuellen Wissensstand über das geschehene Unrecht während der NS-Diktatur in unserer Stadt

Bedeutung für die heutige Erinnerungskultur

Der Historische Verein Lauf fühlt sich mitverantwortlich, zu einem offenen Umgang mit der Vergangenheit der Stadt Lauf beizutragen. "Eine zeitgemäße Geschichtsaufarbeitung für die Zeit des Nationalsozialismus ist extrem wichtig", so das Vorstandsmitglied Norbert Weber. "Nur wenn wir historische Fakten mit persönlichen Schicksalen emotional verbinden können, kann Geschichte nachvollziehbar vermittelt werden und zum Nachdenken anregen. So war es für mich ein sehr berührender Moment, Khavria Fewrona, die Verfasserin der Postkarte, nicht auf der Liste der in Lauf bestatteten Zwangsarbeiterinnen finden zu können und mit ihr nach mehr als 80 Jahren die Hoffnung zu teilen, dass sie ihre Mutter und ihre Schwester zuhause in ihrer Heimat wiedersehen konnte."

Das Projekt "Brennpunkte des Nationalsozialismus" macht insgesamt 14 Orte innerhalb der Stadt und die mit ihnen verbundenen Auswirkungen der Diktatur sichtbar. Unter der Leitung von Dr. Ina Schönwald und Christoph Maier M.A. wurde die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Lauf vom Projektteam in fünf Phasen untergliedert. Die ersten beiden Phasen "Ideologie" und "Zwangsarbeit" sind mittlerweile abgeschlossen. In Bearbeitung befinden sich die Phasen "Arisierung", "Außenstellen Teil 1" und "Außenstellen Teil 2". Begleitend werden – wie zuletzt an der Bertleinschule – Stelen an den Brennpunkten aufgestellt, die über QR-Codes zu ausführlichen Informationen auf der Website des Stadtarchivs Lauf führen und an den Audioguide Hearonymus angebunden werden.